Mein Kampf gegen die Umstellung auf VoIP-Telefonie

Um es vorweg zu nehmen, ich bin seit knapp 15 Jahren Telekom Kunde und habe bis auf die ersten ein oder zwei Jahre immer den Standard ISDN Anschluss mit DSL gehabt.

Ich bin wenigtelefonierer, so hat es mich nie gestört das die Telekom meist ein paar Euro teurer ist als Mitbewerber. Die Zuverlässigkeit bei Telefon und Internet war für mich stets oberste Priorität.

Kurz gesagt, ich kann mich tatsächlich an keinen Tag erinnern, an dem ich störungsbedingt kein Telefon oder Internet hatte, ich bin so gesehen hochzufrieden mit meinem Telefonanschluss und mit dem Telefonanbieter.  Sicher ist mir auch schon mal ein Telefon kaputt gegangen oder beim DSL Router das Netzteil ausgefallen, aber dafür kann ja die Telekom nichts.

Seid wenigen Jahren kommen nun allerdings Callcenter-Anrufe, die mir die Umstellung auf VoIP, also dem IP basierten Anschluss nahe legen wollen. Anfangs noch in ca. halbjährlichen Abständen und als „Empfehlung“, wurden die Anrufe doch in jüngerer Vergangenheit immer häufiger. Auch sprechen sie mittlerweile nicht mehr von einer Empfehlung, sondern von einer „Zwangsumstellung“.

Nun, ich bin ja nicht unerfahren in diesen technischen Dingen, den einzigen wirklichen Voteil hat natürlich der Telefonanbieter. Um einen Vorteil für den Endverbraucher zu finden, muß man schon kräftig in die Trickkiste greifen und die Werbetrommel rühren. Zudem sind mir unheimlich viele Fälle bekannt, in dem es mit den neuen Anschlüssen große Probleme gegeben hat. Auch die Zuverlässigkeit ist bei weitem nicht vergleichbar mit einem herkömmlichen ISDN / DSl Anschluss. Mal geht das Telefonieren nicht, mal kein Internet, mal beides nicht, die Probleme können vielfältig sein und wenn der Router sich mal aufhängt (was ja auch nicht selten vorkommt), funktioniert ebenfalls nichts selbst wenn der Anschluss störungsfrei ist.

Sie merken schon, ich bin gegen diese Umstellung. Einerseits weil ich persöhnlich aktuell einen Anschluss habe, mit dem ich 100% zufrieden bin zu einem Preis den ich für angemessen halte (32,73 Euro zzgl. MwSt.) Diese Zuverlässigkeit wird mir ein IP basierter Anschluss mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht bieten können, dies ist schon aus technischer Sicht unwahrscheinlich.  Andererseits fühle ich mich auch übervorteilt bei dieser Massenumstellung. Die Telekom hat deutliche Voteile, sie kann (möchte) ein komplettes, teures Netz samt Infrastruktur stilllegen, weil es viel kostengünstiger von einem anderen, simultan bereits bestehenden Netz (Internetanschlüsse) ersetzt werden kann. Die Telefongespräche können also in Form eines Datenstroms per Internet übertragen werden, wodurch dann die Pflege; Wartung und Instandhaltung des gesamten herkömmlichen, teuren Telefonnetzes entfallen kann. Telefon u. Internet sind technisch gesehen bis kurz vor dem Hausanschluss zwei völlig verscheidene, voneinander unabhängige Systme. Es kann hier also von einer enormen Kosteneinsparung ausgegangen werden, an der ich als Verbraucher nicht angemessen beteiligt werde.

Im übrigen wurde mir bist heute keine kostenlose Hardware für eine mögliche Umstellung angeboten, ich habe also die Wahl mir ein Mietgerät für 5 Euro im Monat zur Verfügung stellen zu lassen, oder mir einen neuen Router für ~150 Euro selbst zu kaufen. Beides ist für mich nicht akzeptabel, denn ich habe bereits einen Router der an meinem bestehenden Anschluss hervorragend funktioniert. Auch der kostengünstigste IP Tarif, der mit meinem bestehenden ISDN / DSL grob vergleichbar ist, kostet mit der nötigen Hardware annähernd das gleiche, möglicherweise würde ich 2-3 Euro im Monat weniger bezahlen, jedoch kommt es mir wie schon gesagt nicht primär auf den Preis an, sondern auf die Leistung – und Zuverlässigkeit ist für mich ein wichtiger Bestandteil dieser Leistung.

Was mich ebenfalls noch an dieser „Zwangsumstellung“ stört ist die Tatsache, dass viele -vor allem ältere- Menschen technische Hilfseinrichtungen haben die auf einem herkömmlichen Telefonanschluss basieren. Als Beispiel sind hier Hausnotrufe zu nennen, oder Feuermeldeeinrichtungen. Es muß nun zusätzliche Hardware angeschafft werden um solche Gerätschaften weiter zu betreiben, sofern dies möglich ist. In individuellen Einzelfällen werden Lösungsansätze sicher noch komplexer.

Ein weiterer Nachteil ist die Voraussetzung von Elektrizität, bei einem Stromausfall funktionieren somit keine Telefone mehr und auch die angesprochenen Hausnotrufe sind ohne Strom nutzlos. Sicherlich haben wir in Deutschland den großen Vorteil einer sehr sicheren Versorgung mit Elektrizität, dennoch gibt es doch alle 1-2 Jahre mal einen Stromausfall von mehreren Minuten bis hin zu wenigen Stunden. Ein Handy nützt dann auch nichts, da die Sendeanlagen in der näheren Umgebung dann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit ebenfalls kein Strom haben. Sie sollten sich also darüber im klaren sein, dass sie mit einem Voice over IP Anschluss im theoretischen Falle eines Stromausfalls keinen Herzinfarkt erleiden dürften, denn ein Hilferuf ist in dem Fall nicht möglich. Ein herkömmlicher Telefonanschluss wird über die Telefonleitung mit einer Versorgungsspannung gespeist, sogar ein ISDN Telefon ist mit eingeschränkter Funktionalität trotz Stromausfall betriebsbereit (Notbetrieb).

So viel zu den Vor- u. Nachteilen. Ähhm, wo waren noch gleich die Vorteile? Ach ja, man kann u.U. ein paar Euro sparen. Man bekommt in der Tat auch eine höhere Upload Geschwindigkeit, da ja Frequenzen durch den Wegfall der Telefonleitung frei geworden sind. Spürt man das beim Surfen im Internet? Nein. Lediglich wenn man mal einen größeren E-Mail Anhang versenden möchte, geht das minimal schneller, ausser man telefoniert gerade, denn dann wird diese Bandbreite ja doch wieder für die Gespräche benötigt und hat dann auch noch Priorität. Im ungünstigsten Fall von mehrern gleichzeitigen Gesprächen wird die Internetbandbreite spürbar beschränkt. Zugegeben, dies ist ebenfalls ein sehr theoretischer Fall.

Nun, zurück zu den netten Callcenter-Anrufe die ich bis zu meiner direkten Beschwerde erhalten habe: Ich scheine also ein schwerer fall zu sein der sich unerwartet stark gegen diese Umstellung sträubt. Ende letzten Jahres wurde mir dann eine Frist bis 2017 genannt, bis dahin müsse ich dann einer Umstellung zustimmen. Was wohl geschenen möge, wenn ich mich nicht dazu überreden lasse? Ich habe schon deutlich gemacht, dass ich meinen Vertrag nicht ändern oder kündigen werde, diese Kündigung muß in dem Fall dann von der Telekom ausgesprochen werden – ich bin jedenfalls sehr gespannt darauf.

Auf die Anmerkung, dass ich – sofern ich tatsächlich meinen Tarif durch die Telekom gekündigt bekomme – zu einem anderen Anbieter wechseln werde, begegnete man mir mit einem müden lächeln: „Herr Möller, die anderen Anbieter haben schon lange auf IP basierte Anschlüsse umgestellt!“ Halten die mich für blöd? Das ist mir natürlich bewußt, allerdings sind die anderen Anbieter zumindest so fair, den Kunden in Form von einem Kostenvorteil an den positiven Effekten einer Umstellung zu beteiligen.  Die günstigsten Anbieter verlangen weniger als die Hälfte an monatlichen Beträgen.

Also, wenn schon VoIP über einen IP basierten Anschluss, dann wenigstens zu einem angemessenen Preis, und der liegt in meinen Augen nicht im Bereich um ~40 Euro monatlich.

Ich werde diesen Bericht ergänzen, falls sich in den nächsten Monaten etwas in dieser Richtung tun sollte. Ich bin jedenfalls gespannt und blicke positiv in die Zukunft, denn ich kann nur gewinnen: Entweder ich behalte meinen zuverlässigen Anschluss und bin weiterhin zufrieden damit, oder ich werde gekündigt und wechsle zu einem deutlich günstigeren Anbieter. Letzteres wäre zwar schade, aber diese Entscheidung liegt nicht bei mir!

 

PS: Wer seine eigenen Erfahrungen zum herkömmlichen oder IP basierten Anschluss kundtun möchte, hinterlasse doch bitte einen Kommentar unter diesem Beitrag und berichte darüber, ich bin neugierig auf andere Erfahrungen! Zweifelsfrei muß es auch viele erfolgreiche und unproblematische Umstellungen gegeben haben.