Google – Fluch oder Segen?

Um es mal vorweg zu nehmen, für viele ist Google sicherlich eher ein Segen als ein Fluch. Zumindest dann; wenn man den Nutzungsbedingungen zugestimmt hat. Die meisten Menschen stören sich nicht daran was Google alles für Informationen über seine Nutzer sammelt oder akzeptieren dies aufgrund der Annahme; dass sie als Gegenleistung viele nützliche Dienste „kostenfrei“ zur Verfügung gestellt bekommen. Zu dieser angeblichen Kostenfreiheit komme ich aber später noch.

Betrachten wir doch mal das Kosten-/Nutzen „Gleichgewicht“.

Was die Google Nutzer erhalten (kleine Auswahl, ich weiß das es deutlich mehr gibt):

  • Eine Suchmaschine, die alle Anfragen speichert und Nutzern zuordnet, indem sie ein Cookie im Browser verankert der nicht entfernt werden kann [1]
  • Ein E-Mail Konto, welches den Mail-Verkehr zu Marketingzwecken analysiert
  • Ein Smartphone Betriebssystem, welches (u.a.!) Nutzer- und Geo-Profile erstellt
  • Einen Routenplaner, der Google verrät wohin der Nutzer reisen will (oder gern würde?)
  • Einen Social-Network Dienst, der dabei hilft die vielen kleinen Puzzleteile anderer Google Dienste in den richtigen Kontext zueinander zu bringen

Jetzt mal zu den Kosten: Was bezahlen die Nutzer eigentlich für diese Dienste?

„Nichts!“ – würden jetzt die meisten behaupten. Doch ist das so? Google sammelt mit all seinen Diensten enorme Datenmengen von seinen Nutzern (selbst von seinen NICHT-Nutzern mit Gmail / G+), das sind Daten die so sehr in Detail gehen; dass Google lt. eigener Aussage das Ziel anstrebt, den Nutzern vorschlagen zu können was sie als nächstes machen können/werden. „Sage mir, was Du suchst, und ich sage Dir, wer Du bist“

Diese Massen an persönlichen Daten zur Verfügung zu stellen – ob nun bewusst oder unbewusst – ist meiner Meinung nach schon ein hoher Preis. Aber der wahre Preis bildet sich ja erst bei der Vermarktung dieser Daten:

Google weiß sehr genau, welche Werbung sie welchem Nutzer an welcher Stelle anzeigen müssen, um eine höchstmögliche Chance auf einen erfolgreichen Abschluss zu erzielen. Diese hochpräzise Personalisierung kann Google somit zu einem extrem hohen Preis verkaufen, die Preise bspw. bei AdWords Kampagnen betragen mehrere Euro für einen einzigen Klick.
Diese weltweit unvorstellbaren Kosten muss natürlich irgendwer bezahlen. Es ist sicher keine Überraschung das es wir, die Endkunden sind. Die Preise für die Werbung werden natürlich auf den Kunden umgelegt, fast alle gewerblichen Online-Händler arbeiten mit Marketing-Diensten von Google.  Somit sind die vermeintlich kostenlosen Google Dienste in Wahrheit verdammt teuer. Man kann sich ja mal die Umsätze von Google aus dem letzten Jahr (2014) ansehen, das waren ca. 66 Milliarden Dollar (Quelle: statista.com).
An diesen Umsätzen ist also jeder Bürger dieser Erde beteiligt; der online etwas gekauft hat was direkt oder indirekt auf irgendeine Art mit Google beworben wurde.

Und wie sieht es mit den Steuern aus?

Google machte im letzten Jahr einen Nettogewinn in 2-stelliger Milliardenhöhe, in Europa vermeiden sie aber mit dem „Double Irish With a Dutch Sandwich-Prinzip“ Steuerzahlungen gigantischen Ausmaßen, aber dies nur am Rande denn das machen viele andere auch.

Kommen wir mal zu der sehr unfeinen Verdrängung von Wettbewerbern, Angebote und Dienstleistungen von Konkurrenten werden gezielt in den Suchergebnissen zurückgestellt, oder es werden gleich eigene Dienste etabliert (z.B. Google Shopping) die es möglich machen direkt aus der Suchmaschine heraus Produkte über Google zu erwerben und so Mitbewerber gezielt zu übergehen. Diese Mitbewerber werden von den Nutzern der Suchmaschine oft schon gar nicht mehr wahrgenommen.

Übrigens:  das Wort „Internetsuche“ gibt es ja so gut wie gar nicht mehr, es heißt ja nur noch „googeln“. Ich halte dies für einen sehr schlechten Trend.

Übrigens:
Wer von Google auf alternativen Suchmaschinen umsteigt, z.B. auf eine die offen damit umgeht welche Daten sie vom Nutzer erhebt, was sie damit macht und das sie die Nutzer nicht nicht verfolgt, wird schnell einen großen Unterschied feststellen:
In den ersten Wochen/Monaten wird man etwas enttäuscht sein, denn man bekommt gelegentlich doch ganz andere Suchergebnisse und ist etwas verunsichert, meint sogar man hat eine schlechtere Suchmaschine – das dachte ich persönlich jedenfalls am Anfang. Mit der Zeit stellt man aber fest; dass diese alternativen Suchmaschinen einfach nur das machen was sie sollen: Unparteieisch, unvoreingenommen und nicht kommerziell suchen.
Man findet plötzlich kleine Webseiten die Themen beinhalten die genau zu den Suchbegriffen passen, wo man bei Google auf den ersten Seiten erst mal nur die Webseiten findet; die viel Geld in Ihr Marketing gesteckt haben.
Wer bei Google gut und schnell gefunden werden will, muss mit Google zusammen arbeiten und somit viel Geld investieren.
Bei alternativen, nicht kommerziellen Suchmaschinen bekommt man einfach die Suchergebnisse, die am besten zu dem Suchbegriff passen. Man muss nur erst erkennen, das dies nicht schlechter ist – sondern nur ungewohnt.

[1] Was mich noch ganz persönlich stört ist die Art und Weise der Überwachung, der wir permanent unterliegen. In einem Hilfe-Thread, in dem ich eigentlich einen Bug vom Browser Firefox vermutet hatte, stellte sich heraus das es tatsächlich so ist; dass in jedem Browser eine eindeutige, 30 Jahre gültige Identifizierungsnummer generiert wird die in einem Cookie gespeichert ist. Dieser Cookie lässt sich nicht löschen, erst mit einer (relativ) aufwändigen, manuellen Bearbeitung der cookie-sql Datei kann der PREF Cookie von Google entfernt werden.
Dieser Cookie identifiziert die Nutzer auf allen Webseiten, die Google Code einsetzen (AdSense, Analytics, etc.) und speichert angeblich nur Einstellungen (offiziell). Tatsächlich ist dies ein Tracking Mechanismus der besonders dreisten Art, zumal dies ohne Kenntnis und ohne Zustimmung der Nutzer geschieht.

Meiner Meinung nach geht Google mit solchen drastischen Maßnahmen einfach deutlich zu weit und ich halte es wirklich für fragwürdig, ob dies alles mit europäischem Recht konform ist. Aber schon klar, wo kein Kläger da kein Richter.

Um nicht nur negativ zu argumentieren, auch ich bin natürlich selbst auch tief beeindruckt was Google sich in den letzten 10 Jahren alles aufgebaut hat.
Zu den vielen Diensten die nur der Datensammelwut dienen gibt es durchaus auch einige, die den Menschen wirklich etwas zurück geben. Als Beispiel mal Google-Earth, durchaus respektabel was Google da erschaffen hat, auch zu Bildungszwecken wirklich ein hervorragendes Werkzeug.
Oder als weiteres Beispiel der Translate Dienst von Google, ich muss zugeben das dieses Gadget wirklich konkurrenzlos ist.

Sicher wären auch diese Dienste nicht das was sie heute sind wenn Google nicht so profitorientiert agieren würde wie sie es nun mal tun, aber dennoch bin ich nicht mit dem Geschäftsmodell von Google einverstanden und würde mir wünschen, dass die Menschen sich mal die „Mühe“ machen würden und sich etwas mehr damit beschäftigen, welche Daten sie von sich preisgeben und ob es wirklich nötig ist, sich einem einzelnen US-Amerikanischem Unternehmen so sehr zu entblößen. Denn auch wenn Google seine ganzen gesammelten Datenmengen nie preis gibt weil sie so natürlich am besten damit Geld verdienen können, ist es nur eine Frage der Zeit, bis es ein Datenleck geben wird. Ob nun durch korrupte Mitarbeiter oder einen gezielten Angriff von außen, da sind Daten im Spiel die mehr über uns alle verraten als wir uns vorstellen können. Je mehr man Google nutzt, umso betroffener wird man letztendlich davon sein.

Ich möchte an dieser Stelle übrigens keine direkten Empfehlungen für alternativen der einzelnen Google Dienste geben, auf Wunsch könnte man sowas in einem eigenen Thema zusammenfassen.
Allerdings wäre es aus meiner Sicht sehr schade, wenn man jetzt aus gutem Vorsatz heraus von einer kommerziellen Suchmaschine zu einer anderen kommerziellen wechselt. Daher meine Empfehlung; gründlich nach einem freien Anbieter zu suchen der Euch auch bei Aktivitäten im Internet nicht verfolgt bzw. Eure Herkunft übermittelt.

Wer ernsthaft an sinnvollen alternativen interessiert ist, darf gerne seine Kontaktdaten im Kommentarfeld hinterlassen, ich helfe dann gerne weiter.